Mittwoch, 29. Januar 2014

FAQ : Voluntarismus / Anarchokapitalismus

Im Gegensatz zu anderen Ideologien möchten Vertreter des Voluntarismus und Anarchokapitalismus nicht die Gesellschaft gestalten und Individuen vorschreiben, wie sie zu leben haben.

Wir wissen, dass die Gesellschaft komplex ist, so komplex, dass keine zentrale Gewalt jemals in der Lage sein wird, jene zu organisieren - mal ganz abgesehen von dem moralischen Desaster der Herrschaft von Menschen über Menschen.
Stattdessen sagen Voluntaristen und AnCaps: "Wenn sämtliche Handlungen in einer Gesellschaft auf Freiwilligkeit basieren würden, dann denken wir, könnte die Gesellschaft folgendermaßen aussehen".

Diese Zusammenstellung von Antworten auf häufig gestellte Fragen wird dich nicht zum Experten der voluntaristischen respektive anarchokapitalistischen Philosophie machen. Sie ist jedoch eine gute Einführung in die grundlegenden Konzepte und kann dich hoffentlich zur weiteren Auseinandersetzung mit der "Philosophie der Freiheit" inspirieren.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

But Who Will Build The Roads?

Wenn Staatsbefürworter und Freiheitsfreunde über Voluntarismus oder Anarchokapitalismus, also über freie Gesellschaftsordnungen diskutieren, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Verlauf des Gesprächs gegenüber den staatskritischen Diskussionsteilnehmern die Frage "Und wer baut dann die Straßen, wenn es keinen Staat mehr gibt?" aufgeworfen.

Häufig wird dieser, den eigenen Standpunkt vorerst scheinbar verteidigende, Einwand seitens der Staatsbefürworter noch vor der Frage nach der Unterstützung von Hilfsbedürftigen ("Alten & Schwachen") formuliert, auf die bereits an anderer Stelle eingegangen wurde.

Die Beantwortung der, neben der Instrumentalisierung der Alten & Schwachen, häufig als "Argument" gegen eine freie Gesellschaftsordnung angeführten Frage nach der örtlichen und überregionalen Verkehrsinfrastruktur ist dabei im Vergleich etwas spekulativer, denn im Endeffekt ist kaum vorauszuahnen, wozu die Kreativität und der Unternehmergeist von weltweit über 7 Milliarden Individuen zu realisieren im Stande sind.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Der Standpunkt der Freiheitsfreunde

Libertarians, AnCaps, Voluntaristen, Agoristen, Individualanarchisten, Marktanarchisten, uvw...

In der Epoche der Aufklärung im 18. Jahrhundert entstanden die, schriftlich erstmals umfassend formulierten, anti-autoritären und die Freiheit des Individuums betonenden Werke europäischer (vornehmlich schottischer und englischer) Moral-philosophen und Ökonomen. Darauf aufbauend bildeten sich Denkschulen und politische Philosophien in den Gesellschaften des, sich noch vor der industriellen Revolution befindlichen, europäischen Kontinents. Über die Zeit gerieten die freiheitlichen Postulate mehr und mehr in Vergessenheit und so ist es keine Überraschung, dass das 20. Jahrhundert von einem omnipräsenten und das friedliche gesellschaftliche Zusammenleben zerstörenden Etatismus gekennzeichnet ist.

Gegenwärtig erleben die freiheitlichen Ideen des 18. und 19. Jahrhunderts eine Renaissance - nicht zuletzt auch dank der Möglichkeit des freien Gedankenaustauschs über das Internet - und es bildeten sich über die letzten 40 Jahre weitere, die individuelle Freiheit in den Mittelpunkt rückende, philosophische Denkschulen.
Die in der untergeordneten Überschrift aufgeführten Vertreter der, mal zusammenfassend allgemein formulierten, "Philosophie der Freiheit" unterscheiden sich teilweise in der Fokussierung auf verschiedene Themenschwerpunkte und in der Strategie, verständigen sich aber auf das gemeinsame Ziel einer freien Gesellschaftsordnung und die selben Prinzipien der Gewaltlosigkeit bzw. der Nicht-Aggression.

Die zentrale Frage, um die es Freiheitsfreunden bezogen auf die Ordnung einer Gesellschaft geht, lautet: Werden Handlungen erzwungen oder geschehen sie freiwillig?

Dienstag, 18. Juni 2013

Bitcoin

Eine dezentrale, digitale Krypto-Währung revolutioniert den Geldmarkt

"Was E-Mail für Briefwechsel war, das ist Bitcoin für Geld", hört man viele überzeugte Bitcoin-Nutzer jubeln. Im Folgenden soll die Konzeption des freien Marktgeldes, dessen Netzwerk anfänglich ohne große Aufmerksamkeit im Jahr 2009 startete und seitdem stark zunehmende Akzeptanz erfährt, näher erläutert werden.
Bitcoin ist ein Open-Source-Softwareprojekt für die gleichnamige digitale Währung auf Peer-to-Peer (P2P) Basis, das 2008 in einem Whitepaper von Satoshi Nakamoto (nach derzeitigem Kenntnisstand ein Pseudonym einer Person oder Personen-gruppe) vorgeschlagen wurde. Mit dem Start des ersten Bitcoin-Clients (Software zur Teilnahme am Bitcoin-Netzwerk) am 03. Januar 2009 wurde das Projekt realisiert. Der Begriff Bitcoin bezeichnet also einerseits eine digitale Währungseinheit (Kürzel: BTC) und andererseits das weltweite Zahlungsnetzwerk, über das man diese Währung senden und empfangen kann.
Peer-to-Peer bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es keine zentrale Institution gibt, die Währungseinheiten schöpft oder Transaktionen abwickelt und verfolgt, sondern dass diese Aufgaben dezentral durch die Teilnehmer des Netzwerks (bzw. durch dessen Rechenleistung) in Übereinstimmung verifiziert und ausgeführt werden.

Dienstag, 28. Mai 2013

Freiheitliche Alternativen zur gegenwärtigen Geld- und Gesellschaftsordnung


Im Folgenden werden Lösungsvorschläge für eine marktwirtschaftliche Geldordnung in Theorie und Praxis und darüber hinaus Erklärungen, sowie Bekräftigungen für eine freie Gesellschaftsordnung vorgestellt.
Zur Erinnerung sind noch einmal die fünf wesentlichen Katastrophen der gegenwärtigen Geldordnung, aus-gehend von einem maßlosen Etatismus, aufgeführt:



Donnerstag, 2. Mai 2013

Hilfsbedürftige in einer freien Gesellschaft

Die Frage nach der Hilfe und Unterstützung von Hilfsbedürftigen wird gegenüber Menschen, die Zwang und Gewalt und somit in ihrer Konsequenz auch den auf seinem Gewaltmonopol beruhenden Staat ablehnen, sehr häufig gestellt und mitunter als Argument gegen eine freie Gesellschaftsordnung angeführt.
Daher kann man annehmen, dass ein großes Interesse daran besteht, Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen. Warum also dann Zwang?

Es wird immer Menschen geben, die aufgrund diverser Schicksalsschläge auf die Mithilfe und Unterstützung ihrer Mitmenschen angewiesen sind. Aus diesem Grund gilt es unter hilfsbereiten Individuen, denen das Wohlergehen benachteiligter Mitmenschen am Herzen liegt, geeignete Lösungen zu finden.

Fürsorgende Tätigkeiten, wie beispielsweise das Engagement im Falle von Krankheit bzw. der Pflegebedürftigkeit oder auch materielle Unterstützung können ausschließlich von leistungsfähigen Individuen ausgeführt und finanziert werden: Das geschieht

Freitag, 18. Januar 2013

Staat oder Privatrechtsgesellschaft?

Der vorliegende Text von Prof. Dr. Hans-Hermann Hoppe ist eine Abschrift seiner Rede vom 24. September 2010 auf dem 14. Philosophicum in Lech am Arlberg.
Prof. Hoppe zeigt auf, dass das Modell der Privatrechtsgesellschaft keine Utopie, sondern logisch stringent, realisierbar und die moralischste Form gesellschaftlichen Zusammenlebens ist. Der Begriff Privatrechtsgesellschaft meint hier eine freie Gesellschaftsordnung, also den gesellschaftlichen Zustand des herrschaftsfreien Zusammenlebens ausschließlich auf Basis von freiwilliger Kooperation und Verträgen, den man wahlweise auch mit Anarchismus, Libertarismus, Anarchokapitalismus, freier Marktwirtschaft oder Voluntarismus betiteln könnte, denn alle diese Begriffe meinen - fernab aller ideologischer Färbungen und Umdeutungen - im Kern dieselbe herrschaftsfreie Gesellschaftsordnung.
Am 23.11.2012 hielt Prof. Hoppe diesen Vortrag auch an der Akademie Modelhof in Müll-heim in der Schweiz. Der Vortrag und die anschließende Diskussion wurden aufgezeichnet und kürzlich auf der Internetpräsenz des Ludwig von Mises Institut Deutschland veröffentlicht.

Das Problem gesellschaftlicher Ordnung
Prof. Dr. Hans-Hermann Hoppe
Robinson Crusoe, allein auf seiner Insel, kann tun und lassen was er will. Die Frage nach Regeln eines geordneten menschlichen Zusammenlebens stellt sich für ihn nicht. Diese Frage kann naturgemäß erst auftreten, wenn eine zweite Person, Freitag, die Insel betritt. Doch auch dann bleibt die Frage so lange irrelevant, so lange es keine Knappheit gibt. Angenommen, es handele sich bei der Insel um das Schlaraffenland. Alle äußeren Güter existieren im Überfluss. Sie sind “freie Güter,” so wie die Luft, die wir atmen, üblicherweise ein “freies” Gut ist. Was auch immer Robinson mit diesen Gütern gegenwärtig anstellt, seine Handlungen haben weder Rückwirkungen auf seinen eigenen zukünftigen Gütervorrat, noch auf den gegenwärtigen oder zukünftigen Vorrat derselben Güter seitens Freitag (und umgekehrt). Es ist deshalb ausgeschlossen, dass es zwischen Robinson und Freitag jemals zu einem Konflikt hinsichtlich der Verwendung dieser Güter kommen kann. Ein Konflikt ist erst dann möglich, wenn Güter knapp sind, und erst dann wird es zum Problem, Regeln zu finden, die ein geordnetes – konfliktfreies – Zusammenleben ermöglichen.

Montag, 7. Januar 2013

Markt oder Befehl?

Der freie Markt kann alles!
von Tommy Casagrande

Immer wieder stoß' ich in Diskussionen auf Aussagen, die nicht logisch sind. Das merke ich beispielsweise dann, wenn der Begriff Markt darin vorkommt. Als Voluntarist bin ich überzeugt, alles was der Staat an Leistungen erbringt, lässt sich auch durch den Markt bereitstellen.

Wieso bin ich dieser Überzeugung ?

Der Markt ist zwar als Begriff ein Abstraktum, dennoch meint er etwas ganz konkretes, ohne dass es keinen Markt geben kann - Menschen. Ein Markt besteht aus Menschen. Er besteht weder aus Kartoffeln, noch aus Porsches, sondern er besteht aus Menschen. 
Wenn ich behaupte, es gibt nichts, dass der Markt nicht hervorbringen kann, dann sage ich nichts anderes, als dass es nichts gibt, das Menschen nicht hervorbringen können. Denn, egal ob wir uns in einem Staat oder einem Markt befinden, es sind immer Menschen, die etwas hervorbringen.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Ein gestörtes Verhältnis zur Marktwirtschaft

von Klaus Peter Krause

Mehr Deutsche rücken von der Markwirtschaft ab – vermeintlich, denn sie halten für Marktwirtschaft, was keine mehr ist
Von der Freiheit schwärmen nur die, die sie nicht haben. Die Deutschen schwärmen nicht. Ihnen genügt zu haben, was sie für Freiheit halten. Sie vermissen keine Freiheit und rufen nicht nach einem Mehr an Freiheit. Mehr schätzen sie das, von dem sie meinen, nicht genug zu haben. Das sind immer noch: Sicherheit und Gleichheit. Das jedenfalls muss man wohl folgern, wenn man die jüngste Untersuchung zum Freiheitsbewusstsein der Deutschen liest, vorgelegt jüngst in Berlin[1] vom John Stuart Mill Institut. Demnach liegt der Wert der Freiheit, wie ihn die Bürger sehen, sogar im negativen Bereich, wenn auch nur leicht.[2] Das heißt: Die deutsche Bevölkerung hat zum Wert der Freiheit ein offenbar gestörtes Verhältnis.
Anti-kapitalistische Ressentiments nehmen zu
Aber noch gestörter ist ihr Verhältnis zur Marktwirtschaft. Das Vertrauen in die Marktwirtschaft ist gegenüber dem Vorjahresergebnis sogar deutlich zurückgegangen. Das ist das aufregendere Ergebnis der Untersuchung, war doch der Deutschen Freiheitsdrang schon immer nicht sonderlich ausgeprägt. Dagegen hat „die Skepsis gegenüber der Marktwirtschaft eine ganz neue Dimension erreicht“, lautet die Feststellung. Mehr noch: Erstmalig glaubt auch in Westdeutschland eine knappe relative Mehrheit von 43 Prozent der Bevölkerung, Marktwirtschaft führe automatisch zu sozialer Ungerechtigkeit. 2003 glaubten das zwar weniger Befragte, aber immerhin doch 32 Prozent. Nur noch 38 Prozent sind der Meinung, „Marktwirtschaft macht soziale Gerechtigkeit erst möglich“. Immer mehr, so scheint es dem Mill-Institut, gehe die Überzeugung verloren, dass diese Wirtschaftsform die Grundlage für Freiheit und Wohlstand sei. Stattdessen nähmen die antikapitalistischen Ressentiments zu.

Freitag, 2. November 2012

Kapitalismuskrise ?!

Crony Capitalism - Korporatismus
Kapitalismus-Bashing ist en vogue!
Vor allem seit der Finanzkrise '07/'08 wird im medialen Mainstream wieder mit Leichtigkeit über die angebliche Krise des Kapitalismus fabuliert.

Nicht zuletzt auch aufgrund der andauernden Erosion westlicher Staatshaushalte muss "der Kapitalismus" als scheinbarer Systemfehler und angeblicher Verursacher für kreative Plakat-Slogans empörter Demonstranten und Erklärungsversuche selbst-ernannter Experten in abendlichen Talk-Runden herhalten.

Nicht wenige Kommentatoren malen Schreckens-gespenster á la Finanz-, Turbo-, Kasino- oder gar Raubtier-Kapitalismus an die Wand und schließen daraus, dass dieses "Monster" gebändigt, ja zumindest reguliert und teil-verstaatlicht werden müsse.

Es ist eine insgesamt sehr emotional geführte Debatte, in der jene Art des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die erstmals vollständig und umfassend von den klassisch-liberalen Ökonomen und Moralphilosophen im 18. und 19. Jahrhundert formuliert und unter anderem von den Vertretern der Österreichischen Schule der Nationalökonomie im 20. Jahrhundert fundiert und konsequent weitergedacht wurde, andauernd mit den Etiketten Antisozialität, Korruption, Egoismus bzw. Zerstörung der "Gemeinschaft", Verantwortungslosigkeit, Betrug, Machtstreben, Umweltverschmutzung, Ausbeutung von Mensch und Natur, etc. versehen wird.
Diese Attribute entsprechen zwar zweifellos dem herrschenden Zeitgeist vornehmlich westlich geprägter Kulturen, haben ihre Ursachen, wie im Folgenden gezeigt wird, nicht einmal im Entferntesten in den Strukturen einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung.

Freitag, 28. September 2012

Papiergeld, Goethe und "El Präsidente"

Rede des Bundesbank-Präsidenten Dr. Jens Weidmann

Bundesbank-Präsident
Dr. Jens Weidmann
Anlässlich des 18. Kolloquiums des Instituts für bankhistorische Forschung am 18.09.2012 in Frankfurt am Main mit dem Motto Papiergeld - Staatsfinanzierung - Inflation. Traf Goethe ein Kernproblem der Geldpolitik? erklärte der Bundesbank-Präsident Dr. Jens Weidmann in seiner Begrüßungsrede:
"Heutiges Geld ist durch keinerlei Sachwerte mehr gedeckt. Banknoten sind bedrucktes Papier - die Kenner unter Ihnen wissen, dass es sich im Fall des Euros eigentlich um Baumwolle handelt."
Es ist bemerkenswert, wenn ein Zentralbankrat und noch dazu der Vorsitzende selbst öffentlich auf einige gewichtige Probleme des ungedeckten Papiergeldes hinweist.
Die volkswirtschaftliche Praxis des ungedeckten Papiergeldes ist nicht nur unmoralisch, sondern - auf lange Sicht - höchst destruktiv. Es ist die Ursache aller vergangener Wirtschafts- und in dessen Folge auch Gesellschaftskrisen, da ungedecktes Papiergeld die systemimmanente andauernde Inflationierung der Geldmenge beflügelt und zwangsläufig zu Fehlinvestitionen und somit zur ökonomischen Blasenbildung (ver)führt.

Freitag, 14. September 2012

Die Philosophie der Voluntaristen

von Oliver Heuler


Was ist ein Voluntarist?

Ein Voluntarist will auf initiierende Gewalt und Zwang verzichten. Das klingt selbstverständlich. Wer wäre schon für Zwang und Gewalt? Jeder lehnt Dinge wie seelische Kindesmisshandlungen, Sklaverei, Raub und Erpressung ab, könnte man meinen.
Der Voluntarist möchte jedoch, dass Erwachsene nicht nur bei privaten und geschäftlichen Begegnungen mit Anderen auf Gewalt verzichten - der Voluntarist möchte, dass die gleichen Regeln auch in der Familie und der Gesellschaft gelten.

Freitag, 17. August 2012

Was bedeutet Anarchie?

Über den Begriff der freiheitlichen Quintessenz von Anarchismus /

Libertarismus / Voluntarismus / Anarchokapitalismus



"Warum mir aber in neuester Welt Anarchie gar so gut gefällt?
Ein jeder lebt nach seinem Sinn, das ist nun also auch mein Gewinn!
Ich laß' einem jeden sein Bestreben, um auch nach meinem Sinn zu leben."
- Johann Wolfgang v. Goethe -

Das Wort Anarchie ist so alt wie die abendländische Zivilisation. Seit es Herrschaft gibt, gibt es Ideen herrschaftfreien Lebens und seit den alten Griechen ist uns das Wort an archia überliefert. Es bedeutet "keine Herrschaft" [...]. Ein provokantes Wort, das in den Köpfen der Menschen augenblicklich schlimme Visionen erzeugt: Chaos, Unordnung, Verwilderung, Zerstörung. So ist die Bedeutung des Wortes heute weitgehend auf die Ängste reduziert, die den Normalbürger bei dieser Vorstellung befallen. Sein eigentlicher Wortsinn ging dabei komplett verloren.

Dienstag, 19. Juni 2012

Postdemokratie

Die Tendenz zur (verschleierten) Autokratie

Die Diskussionen um eine schwelende Krise der Demokratie westlicher Prägung wurden in den vergangenen Jahren vom britischen Politikwissenschaftler Colin Crouch mit dem Begriff der "Postdemokratie" popularisiert. Kritisiert wird der Legitimitätsverlust der politischen Akteure und Institutionen, da sie zunehmend unter dem Einfluss privater und partikularer Interessengruppen agieren, statt als gewählte Repräsentanten im Sinne des Gemeinwohls zu handeln.

Crouch definiert eine idealtypische Postdemokratie als:
"ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden [...], in dem allerdings konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während der Wahlkämpfe so stark kontrollieren, dass sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben."
[aus Postdemokratie, Suhrkamp Verlag, 2008, S. 10]

Sonntag, 27. Mai 2012

Die "China Bubble"

Chinas Geisterstädte

Impression aus Zhengzhou | © Dailymail 
Im Osten nichts Neues? Doch! In China gibt es noch die ein oder andere offene Rechnung. Eine davon wird nun wohl fällig: die Immobilienblase. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der nicht zu vernachlässigenden Bedeutung des Baugewerbes für das chinesische Wirtschaftswachstum äußerst kritisch.
Seit einem guten Jahr sind auch in der "Fachpresse" hin und wieder Warnungen vor einer möglichen Immobilienblase in China und dessen Platzen zu vernehmen, doch könnten die Informationen über die örtlichen Umstände umfassender und präziser sein:

Mittwoch, 9. Mai 2012

Faszination Quantenphysik!

Bohr'sches Atommodell
"Man klagt zu Unrecht, dass unsere Zeit keine Philosophen mehr habe", pflegte der Theologe und Wissenschaftler Adolf von Harnack zu sagen, "sie sitzen nur jetzt in der anderen Fakultät und ihre Namen sind Planck und Einstein."
Mit beiden sind die Anfänge der Quantenphysik in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts untrennbar verbunden. Doch es sollte bis zum Beginn der dreißiger Jahre dauern, bis von Bohr, Heisenberg, Pauli, Schrödinger und anderen solide Vorstellungen ausgearbeitet wurden, die den Begriff einer physikalischen Theorie rechtfertigen. Seither entwickelt sich die Quantentheorie ständig weiter und gilt heute als die empirisch am besten bestätigte Theorie im Bereich der Physik.

Die Quantenphysik befasst sich mit dem Verhalten und den Wechselwirkungen der kleinsten (Materie-)Teilchen und ist Oberbegriff für verschiedene Quantentheorien, wie beispielsweise die Quantenmechanik oder die Welle-Teilchen-Dualität.

Dienstag, 17. April 2012

Der deutsche Schuldenberg

© Wolfgang Kumm/dpa 2011
Die deutsche Bundesregierung hat im Jahr 2010 im Namen des Steuerzahlers pro Minute 152.587 € an neuen Schulden aufgenommen - somit beläuft sich die Nettoneuverschuldung für 2010 insgesamt auf 80,2 Milliarden € (Quelle).
Die gesamten Staatsschulden Deutschlands im Jahr 2010 in Höhe von 2,02 Billionen € (Quelle, S.110) machten anteilig knapp 29 Prozent der kumulierten Schuldenlast aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union aus.

Heute beläuft sich Deutschlands Schuldenberg von Bund, Ländern und Kommunen (Stand 2011) auf 2,09 Billionen € (Quelle) und wächst derzeit (im Vergleich zu 2010 etwas schwächer) auf Basis der geplanten Nettoneuverschuldung für 2012 täglich um 88 Mio. €.

Somit ist jeder deutsche Bundesbürger - vom Baby bis zum Greis - statistisch und pro Kopf mit ca. 24.707 € (Quelle) an der Staatsverschuldung beteiligt. Im Jahre 1950 lag die Pro-Kopf-Staatsverschuldung noch bei 190 € (Quelle). Sie hat sich damit innerhalb der vergangenen 62 Jahre um mehr als das 130-fache erhöht.

In den aktuellen Zahlen nicht enthalten sind die eingegangenen (und mit größter Wahrscheinlichkeit voll zu leistenden) Verpflichtungen und garantierten Haftungen für den EFSF (211 Mrd. €), den ESM (190 Mrd. €), sowie die TARGET2-Salden (offene Forderungen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr ggü. Staaten im Eurosystem) der Deutschen Bundesbank (aktuell: 615 Mrd. €).

Samstag, 7. April 2012

Hyper Hyper! - Hyperinflation!

231 Mio.% Preissteigerung in Simbabwe

© whatishappeninginsouthafrica.blogspot.com
Alle Zeichen stehen auf Wachstum! Wachstum der Geldmenge wohlgemerkt. Bis zuletzt sorgten die zusätzlichen Milliarden für alternativlose "Rettungs"pakete für einen weiteren gehörigen Schluck aus der Pulle.

Wichtig: Die bestehenden Schulden der Krisenländer (z.B. Griechenland) werden mit den in Anspruch genommenen "Rettungsgeldern" des "Rettungsschirms" eben NETTO nicht abgebaut. Die jeweils fälligen Altschulden werden lediglich durch neue Schulden getilgt. - Wie raffiniert!

Freitag, 23. März 2012

Der "fehlende Zins" und das Sparen

Oft wird unter Geldsystemkritikern auch "vom fehlenden Zins" gesprochen, weshalb es für einige Kreditnehmer im Gesamtsystem unmöglich sei, ihren Darlehensbetrag plus Zinsen zurückzuzahlen und somit der Zahlungsausfall von Schuldnern (und die Vernichtung von Geldvermögen) systembedingt und geradezu vorprogrammiert sei. Aus diesem Grund müsse der fehlende Zins durch wiederholte Neuverschuldung ausgeglichen werden, damit das System nicht in sich zusammenbricht. Welche Rolle spielen der fehlende Zins und das Sparen bei dem "Zwang zur Neuverschuldung"? Wir werden das im Folgenden für die gegenwärtige Fiat-Money-Geldordnung untersuchen.
Bei einem freien Marktgeld, welches Nettoguthaben wäre (also nicht per Kredit durch eine entsprechende Geldschuld in Umlauf käme) entsteht dieses "Problem" erst gar nicht.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Zusammenfassung und Conclusio

Gastbeitrag von Tobias Tulinius und Florian Hauschild


Wie Banken Geld machen
Einblicke in ein Schneeballsystem

Im gesellschaftspolitischen Diskurs sind derzeit aus fast allen politischen Richtungen systemkritische Stimmen zu hören. „Konservative“ erkennen dass „Linke“ oft Recht hatten, es wird gemahnt und gewarnt, und dass der real existierende Kapitalismus [Anm.: Korporatismus(!), nicht Kapitalismus] nicht funktioniert, scheint mittlerweile eine Binsenweisheit geworden zu sein.
Dennoch tut die immer breitere Kritik dem derzeitigen EU-Krisenmanagement keinen Abbruch. Die europäische Elite über Merkel bis Sarkozy droht mit dem umstrittenen ESM-Vertragsentwurf das europäische Demokratie- und Transparenzdefizit nicht nur zu zementieren, sondern auch nationalstaatliche Handlungsspielräume weiter einzuschränken, so die Kritiker des so genannten Rettungsschirms (Vertragsentwurf als PDF).